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[Gelesen] “Die Puppenspieler” von Tanja Kinkel


Autor:
Tanja Kinkel
Verlag: Goldmann
Format: Taschenbuch
Seiten: 667
Erschienen am: 1. November 1995
ISBN: 3442429552
Genre: historischer Roman

INHALT

Das Jahr 1484 ist geprägt von Friedrich III., dessen Armee in der Schlacht bei Leitzersdorf gegen Ungarn eine schwere Niederlage erlebt, und von Papst Innozenz VIII., der die Hexenbulle erlässt (der einige Jahre später der berühmte „Hexenhammer“ folgt) und somit das Signal zur Hexenverfolgung gibt. Letztere erlebt der damals 12jährige Richard Artzt hautnah: Seine Mutter, eine Sarazenin und die Gemahlin eines schwäbischen Kaufmanns, wird der Hexerei angeklagt und schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Richards Tante holt den Jungen zu sich nach Augsburg und in das mächtige Familienunternehmen Fugger. Jakob Fugger, Richards Onkel, erkennt, welche Talente in dem Jungen stecken und fördert diese gezielt im Sinne des Unternehmens. Schließlich darf der Junge sogar in das Handelskontor in der Stadt umziehen, in die er (wenn auch aus anderen Gründen) reisen wollte: Florenz. Dort lernt Richard hochrangige Persönlichkeiten, wie z.B. die Familie Medici, kennen, die ihm den Weg zu interessanten und für das Unternehmen Fugger sehr wichtige Informationen ebnen. Doch dann trifft Girolamo Savonarola, ein dominikanischer Bußprediger in Florenz ein und die Gemüter beginnen sich zu erhitzen.

MEIN EINDRUCK

Es ist ein wunderschönes Buch, das sich gut und flüssig lesen lässt. Die Autorin schaffte es, mich als Leser schnell in den Bann ihrer Worte zu ziehen und dort festzuhalten. Neugierig verschlang ich jede neue Seite und war gespannt, wie es Richard wohl weiterhin ergehen würde. Er fügt sich passend zwischen die für den Zeitraum wichtigen Personen ein, so, als hätte er damals wirklich gelebt. Man erlebt als Leser, wie er erwachsen wird, wie er die Tätigkeiten des Jakob Fugger durchschaut, wie er selbst raffinierter und geschäftstüchtiger wird. Er lernt auch die Liebe kennen und überwindet die tiefe Verachtung, die er der Kirche gegenüber zeigt, zumindest teilweise, als er in Bruder Mario einen guten Freund findet. Doch im vierten Abschnitt des Buchs, als Richard nach Rom geht, passiert etwas, was sich mir nicht erschließt. Richard wird als Hauptcharakter oberflächlicher, dreht sich seltsamerweise um 180° und beginnt schließlich selbst Intrigen mit tödlichem Ausgang zu schmieden, wobei er selbst die Fäden wie ein Puppenspieler in der Hand hält. Was diese Änderung aber verursacht hat, ging leider an mir vorbei (ich will nicht ausschließen, dass ich das schlichtweg überlesen habe!). Hinzu kommt noch, dass die politischen und historischen Ereignisse immer mehr an Gewicht in den Schilderungen der Autorin gewinnen und so den Haupthandlungsstrang etwas an die Seite drängen.

Was mir an diesem Buch sehr gut gefällt, ist sein Aufbau: Es ist in vier große Abschnitte aufgeteilt,die die vier Lebensabschnitte (der Anfang in Wandlingen, die Ausbildung in Augsburg, der wirtschaftliche Erfolg in Florenz und der Aufenthalt in Rom) deutlich trennten, ohne dabei wirklich zu stören. Mir als Leser wurde klar, dass hier für Richard ein komplett neuer Abschnitt (wie bei uns z.B. der Schulbeginn im Alter von 6 Jahren) anfing und mich somit auch etwas Neues erwarten würde. In diesen Punkten wurde ich auch nicht enttäuscht, denn die Autorin hielt für jeden Abschnitt neue Charaktere, neue Ereignisse und neue Erkenntnisse aus der Sicht des Hauptcharakters parat. Inwieweit dabei die historischen Ereignisse richtig oder falsch dargestellt wurden, mag ich nicht beurteilen, da ich mich mit der gewählten Zeitepoche nicht auskenne.

FAZIT

Ein sehr schönes, unterhaltsames Buch, für das ich mir allerdings eine etwas andere Darstellung der Ereignisse zum Ende hin wünsche, damit der Handlungsstrang von Anfang bis Ende wirklich im Mittelpunkt steht. Es ist logisch und schlüssig aufgebaut, so dass im Endeffekt keine offenen Fragen bleiben. Letztendlich kann ich das Buch den Lesern empfehlen, die gerne Romane auf historischer Basis lesen, um einfach mal abschalten zu können.

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